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92 Hertz glänzt nicht nur mit Musik, auch die Choreografie ließ keine Wünsche offen

Der Jazzchor 92 Hertz gab zusammen mit dem Mathias- Ernst-Trio ein Konzert in der Köllertalhalle von Walpershofen. Die musikalische Darbietung war vom Feinsten. Bedauerlicherweise kamen allerdings nur 70 Zuhörer zu den "Colors of Vocal Jazz".


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Die Konkurrenz war am Freitagabend groß. In Saarbrücken, so sagt man, sei der Bär los gewesen. Nach Walpershofen kamen zu einer Veranstaltung mit 40 exzellenten Sängern nur 70 Leute. Aber das waren alles echte Fans vom Jazzchor 92 Hertz. Und so sorgten sie mit stürmischem Applaus für eine Eins-a-Atmosphäre in der Köllertalhalle.

Diejenigen, die nicht dabei waren, können sich die Darbietung in etwa wie eine Pralinenschachtel mit zwei Lagen vorstellen: In Teil eins kamen die Damen passend zum Programm in Schwarz gehüllt auf die Bühne. Edel, elegant, charmant war der Inhalt, wie die klassischen Jazztitel.

Nach der Pause ging es - diesmal in Cremeweiß - poppiger weiter. Jedes Teilchen des Programms "Colors of Vocal Jazz" erwies sich dabei als kleines funkelndes Kabinettstück.

Der Jazzchor 92 Hertz wurde 2006 in Kiel zum zweitbesten Chor in seiner Sparte ernannt. In Kürze will man sich auf Saarlandebene im Großen Sendesaal des SR für den Chorwettbewerb 2010 in Dortmund qualifizieren. Da muss man schon Aufregendes im Repertoire haben. So Extraordinäres wie die Ballade "Albatros" nach einem Gedicht von Charles Baudelaire beispielsweise. Der Pariser Komponist Thiery Lalo ließ dem Chor hierfür handgeschriebene Noten zukommen. Deshalb war diese faszinierende Darbietung in Walpershofen zumindest eine Deutschlandpremiere, wenn nicht sogar eine Uraufführung. Chorleiter Horst Müller, seinerseits Musiklehrer, hatte den Komponisten - man kannte sich von einem Wettbewerb in Duisburg, wo Lalo in der Jury saß - per Mail um eine Ballade gebeten.

Sehr schön, präzise und schwungvoll und vor allem atmosphärisch dicht waren auch die anderen Stücke. Chor- und Sologesang sowie A-Cappella-Gesang und Lieder unter Begleitung des Mathias Ernst Trios sorgten für Abwechslung. Sehr schön auch die choreografischen Feinheiten. So stand der Chor beispielsweise beim märchenhaften Vortrag des "Full Moon" mit dem Rücken zum Publikum, drehte sich dann sacht wie der Neumond zum Vollmond.

Ganz fantastisch auch das Tanzpaar beim locker, leichten Vortrag "Salsa Picante". Chorsängerin Lisa Pfau hatte dabei mit dem kubanischen Tanzlehrer Dany Riveron-Lopez einen genialen Partner zur Seite. Judith Marx jagte als Solistin mit "Summertime" dem Publikum angenehme Schauer über den Rücken, Karla Willmann faszinierte bei "Do you know what it means" mit ihrer tollen Jazzstimme.

So könnte man über jeden einzelnen Programmpunkt ins Schwärmen geraten. Rund 20 waren es insgesamt, und wenn wir zum Vergleich mit der Pralinenschachtel zurückkehren, so kann man hier an dieser Stelle nicht alles auspacken. Weitere Glanzstücke können die Zuhörer am 7. November im Saarlouiser Theater am Ring entdecken. Dort wird der Jazzchor 92 Hertz zusammen mit den Schoenen ein Konzert geben.

Beatrix Hoffmann, Saarbrücker Zeitung, 7. Oktober 2009